Der wahr gewordene Strandtraum

Um diesen Strand zu beschreiben, gibt es kaum Worte. Hier vergisst man die Zeit, die Welt und alle Pflichten auf einen Schlag. Ich konnte nur noch denken: Wow! Ist das wahr? Ist dieser Ort echt? Wharariki Beach ist einfach nur so unglaublich wunderschön …

Der Ausflug an den nördlichsten Punkt der Südinsel war eigentlich als Plan B gedacht, da Kajaken im Abel Tasman National Park nicht klappte. Und dann wurden diese beiden Tage zu meinem persönlichen Highlight bisher!

Ich hatte wenig Lust auf fast zwei Stunden Fahrt rauf nach Farewell Spit. Erst einmal mussten wir über nicht enden wollende Serpentinen, rauf und runter. Kermits Bremsbeläge quietschen mitleidserregend. Mir wurde fast ein wenig übel auf dem Beifahrersitz. Oft ließen wir andere Fahrzeuge an uns vorbei und blieben dazu in der “slow vehicle bay” stehen. Da hatten wir jedenfalls immer eine tolle Sicht auf die toskana-ähnliche Landschaft und vielen Weingüter.

Die Route führte uns durch den Ort mit dem hitverdächtigen Namen “Takaka” (uns ist Gott sei Dank nicht der Song dazu eingefallen, sonst wäre das der Ohrwurm des Tages geblieben). Hier “gönnten” wir uns einen Einkauf in einer Apotheke für fast 70 NZ$… nur Tabletten und Tropfen gegen unseren Heuschnupfen (im Dezember…). Seit der Einnahme der Medikamente geht uns aber wieder richtig blendend.

So langsam erreichten wir dann den Golden Bay District. Das Gebiet wirbt mit seinen langen, goldenen Stränden, Felsen mit Steinbögen und viel unberührter Natur. Nicht viele Touris verirren sich hier rauf, war mein Eindruck. Das Meer hatte sich mal wieder verzogen und wir fuhren vorbei an Ebbewüste, langen Stränden und schnuckeligen Beach-Häusern.

Der Strand, zu dem wir wollten, war ein Tipp in Clemens Fotoreiseführer. Dafür mussten wir abschließend noch 6 km grobe und sehr staubige Schottenpiste abfahren (Kermit ist seitdem eher beige als grün am Heck). Am kleinen Basic-Campingplatz angekommen bekamen wir einen Platz mit “a little privacy”, so die junge Mitarbeiterin im Office und der Pfau des Hauses krähte schon fleißig. Die angekündigte “privacy” waren nicht mehr als zwei eng beieinander stehende Büsche zwischen die wir rückwärts einparkten. Das Ein- und Aussteigen war dann auch nur durch diese Büsche möglich. Naja, dafür hat man unseren Camper nicht mehr gesehen, vielleicht hatte das die Rezeptzionistin bezwecken wollen, ich weiß es nicht.

Selbst als wir unsere Würstchen mit Kartoffeln und Erbsen zubereiteten (begleitet von den Pfeilgesängen einer 5-köpfigen Ami-Familie, die das wohl immer beim Abwasch tut…), ahnten wir nicht was uns an dem Tag noch blühen würde. Denn dann… ging es zum Strand.

Allein der Weg dorthin war für uns bereits eine Augenweide. Wir mussten ständig stehen bleiben und um uns schauen, staunen, “wow” sagen und einfach nur … schauen. Clemens meinte dann “Wäre ich Maler, würde ich hier den ganzen Tag sitzen und malen.” Und das fasste es für mich am besten zusammen:

Wunderschön geschwungene, grüne Weiden mit weißen Schafen darauf. Bäume, die sich in Windrichtung gebeugt an die Hügel schmiegten und zwischendrin ein paar Palmen. Wir liefen über einen sog. Farm Park, sprich über die Weiden der mampfenden Schäfchen und stiegen gelegentlich über ein paar Holzstufen, um den E-Zaun zu überwinden.

Irgendwann wurde der Boden zu weichem, weiß-grauem Sand und die ersten Dünengräser kündigen den Strand an. Mich hielt nichts mehr in den Schuhen… barfuß wurde der schönste Strand der Welt erobert:

Diese unbeschreiblich schöne Mischung aus Dünen, schroffen Felsen, Steinbögen, unendlichen Sandhügeln, die einer weißen Wüstenlandschaft glichen, mit den grünen Hügeln und Bäumen im Hintergrund ließ uns nicht mehr los. Stundenlang schlenderten wir über den Sand, genossen den Wind und das Wellenrauschen, sahen den Seelöwen beim Sonnenbaden oder Wellenreiten zu. Wharariki Beach… so wunderschön, hier bleibe ich. Die Ebbe kündigte sich an und wir huschten fix (was bei der Landschaft eigentlich nicht ging) zurück zum Camper für Umziehen, ein wenig Chillen und Schoki naschen. Dann ging es gut gerüstet zurück zum Strand. Denn die Ebbe gab erst das schönste Geheimnis des Strandes preis, was alles am Nachmittag gesehene nochmal toppte.

Im Prinzip war bei Flut am Nachmittag nur ein Drittel des Strandes sichtbar. Bei Ebbe “erweiterte” sich die Küste um unzählige Meter, Höhlen, Steinbögen und Wasserpools. In dem leichten Wasserfilm, der auf dem Sand lag, spiegelten sich die Felsformationen und der Himmel – ich konnte mich daran einfach nicht satt sehen. In den Wasserlöchern sollten sehr gerne die Seelöwen baden, also waren wir auf der Hut, denn die Racker konnte man in der Dämmerung (auch bei Sonnenschein) kaum von einem Felsen unterscheiden. Lediglich ihr strenger Geruch verriet sie… (Argh, echt muffig, aber die Seelöwen-Ladies stehen da wohl sehr drauf).

Clemens freute sich sehr über die vielen Foto-Motive und ja, er bringt wahr Kunstwerke mit nach Hause. Wir waren praktisch irgendwann alleine an einem kilometerlangen Strand (die beiden Surfer konnten ja mit Ebbe nicht viel anfangen) und gingen immer weiter, ohne ein Ende in Sicht. Wir genossen einfach das Meer, die Gezeiten und die Tiere. Irgendwann gesellte sich der Mond dazu und wir waren beide einfach nur noch glücksseelig.

Der Rückweg zum Campingplatz musste dann doch irgendwann sein und meine Stirnlampe leuchtete den Weg. Nur das Blitzen des E-Zauns zeugte von Zivilisation. Wir fielen völlig erledigt ins Bett (so ein Marsch über Sand ist auch anstrengend) und träumten wahrscheinlich immer noch von unserem wahr gewordenen Strandtraum.

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