Strenuous Walk mit spitzen Aussicht

Wir fanden unser Gegenstück zum verregneten Walk am Vulkan Tangariro: der steile Track “Roy’s Peak” an einem der wärmsten Tage unserer Reise.

Morgens weckte uns wieder das Partyvolk auf dem DOC Campingplatz in Alberttown nahe Wanaka. Unser Van heizte sich schnell in der Morgensonne auf, sodass wir uns fix fertig machten, um aus der Sauna raus zu kommen. Eigentlich wollten wir heute ein wenig auf dem Campingplatz chillen und erst am späten Nachmittag den 11km Track “Roy’s Peak” laufen. Wegen dem staubigen Campingplatz und der alkoholgeschwängerte Festivalstimmung änderten wir diesen Plan und freuten uns stattdessen, am wunderschönen Lake Wanaka zu entspannen. Dort angekommen kam die nächste Planänderung: es war leider die Hölle los, der Tag wurde immer heißer, sonniger und lud zum Eis essen, baden oder Boot cruisen ein. Doch nicht für uns …

Denn heute stand ein bemerkenswerter Walk an: Roy’s Peak, 11 km lang, 6-7 Stunden laufen, mit einer fetzen Aussicht vom Gipfel. Das DOC (Department of Conservation, die Naturschutzbehörde von NZ) beschreibt den Weg als “easy”, sodass wir uns also auf einen tollen Nachmittag/Abend freuten und direkt dorthin fuhren.

Wir merkten schnell, dass wir uns zu früh gefreut hatten: der Höhenunterschied zwischen Car Park und Gipfel betrug ca. 1.200 m bei einer Wegstrecke von 5,5 km. Sprich: der Weg war stetig steigend, das sahen wir bereits vom Parkplatz aus. Doch war nützt das Jammern… auf ging es!

Unsere Füße und Knie waren eigentlich dauerhaften angewinkelt, der Blick ging eher zum Boden (nicht zuletzt wegen der hellen Sonne) und die niedrigen Büsche am Wegesrand boten eher den dicken Schafen Schatten als uns. Um den Gipfel zu sehen mussten wir echt sehr weit und steil nach oben blicken…

Doch diesmal würden wir nicht aufgeben! Diese Strecke wird bezwungen! Mit vier Litern Wasser, Bananenkuchen, Muffins und Müsliriegeln im Gepäck, einer dicken Schicht 50+ Sonnencreme auf der Haut, Sonnenhut und Wanderstöcken machten wir uns auf zum Gipfel. Der Weg lässt sich ungefähr sozusammen fassen:

  1. Einige verdutzt dreinblickende Schafe knabberten an kleinen Büschen, schleckten an ihrem Himalaya-Salz-Stein oder lagen im Schatten, der gefühlt drei Halmen breit war
  2. Ich schnaufte, ächzte schon weniger als am Anfang der Reise und hielt mich wacker – in der MIttagshitze wandern war aber irgendwie dämlich
  3. Der Schweiß trocknete direkt “dank” der heißen Sonnenstrahlen
  4. Kurze Schnauf- und Trinkpausen wurden eine willkommene Abwechslung zum stetigen auf den Boden schauen

Wir hatten aber auch schon beim Hinauflaufen einen toller Ausblick auf den Lake Wanaka mit seinen die weißen Bötchen und den Wasserski-Läufern im Schlepptau sowie umliegenden Bergketten (die die Südalpen ankündigten). Auch einige Paraglider drehten über unseren Köpfen ihre kreise (die boten ein wenig Schatten, wenn sie über uns waren…)

Eine dänische Familie mit drei Kindern überholten wir immer wieder. Obwohl wir deren Sprache nicht verstanden, erkannte man eindeutig, dass die beiden Jungs nach einiger Metern keinen Bock mehr auf diese Wanderung hatten. Die Eltern motivierten immer zu und der Vater meinte dann einmal zu uns “constant persuation”.

Die letzte, lange Serpentine laufen wir wie zwei junge Wanderer hoch als wenn hinter uns nicht schon drei Stunden Walk gelegen hätten. und oben angekommen ist es einfach nur noch grandios! Ein 360° Panorama Orgasmus:

Wir schossen viele Fotos und blieben fast 1,5 Stunden auf Roy’S Peak, um die Aussicht aufzusaugen (und etwas besseres Fotolicht zu warten). Auch die dänische Familie schaffte es doch bis oben und jeder war einfach nur stolz und beglückt.

Der Abstieg ging immens in die Knie (logisch…) und unser Van blieb für lange Zeit einfach immer nur ein kleiner, grüner Fleck in der Landschaft. Die Schafe blöckten, die Schatten wurden langsam länger und mich trieb es einfach nur noch nach unten. Nach 5,25 Stunden zischte das wohlverdiente Radler in unseren Kehlen, die Wandersocken glühten (sowie meine nun flüssige Gesichtscreme, die wir Tage später noch an allen möglichen Gegenständen finden, die unter dem Kulturbeutel lagen…)

Jetzt fehlte eigentlich nur noch ein Dusche, zu der es fast nicht gekommen wäre. Alle angefahrenen Campingplätze waren “Full”. Auf einem am Ende der Stand gab es noch eine unpowered site für uns und 5 Minuten duschen für 1 NZ$. Die besten fünf Minuten, ich bin gleich mit Klamotten reingehüpft!

Auf dem Campingplatz herrscht “wir machen BBQ und sitzen gesellig im Vorzelt nach einem sonnigen Seetag”-Stimmung. Kinder rennen rum und spielen, die Männer grillen und viel Lachen ist zu hören. Doch uns reißt das nicht mehr vom Hocker… ab in die Koje. Clemens wollte früh raus, um am nächsten Tag optimale Lichtbedingungen zu haben auf dem Lindis Pass. Das er mit “früh” die Uhrzeit “5 Uhr” meinte, erfuhr ich erst kurz vorm Einschlafen…

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