Wunder geschehen immer wieder (Part 1/2)

“Blau, Blau leuchten die Seen!“ Der Neujahrstag hielt so manche Überraschung für uns parat. Zumal sich langsam ein Schleier von Traurigkeit ankündigte, da die Rückreise mit großen Schritten näher kam. Doch so ein “Gefühlsrauschen” wie an diesem 1.1. habe ich selten erlebt.

“Happy New Year!” tönte es auf dem gesamten Campingplatz, die Stimmung war ausgelassen und voller Energie. Wir mussten das Mt Cook Valley heute leider verlassen, die letzte Reiseetappe nach Canterbury, der Region der Stadt Christchurch von wo aus der Flieger nach Hause gehen sollte, stand an. Dort wollten wir den Urlaub noch mit einem letzten Highlight krönen … mehr dazu in der nächsten Fotostory. Was also als ein relativ ereignisloser “Ziehweg”-Tag mit fast 3,5 Stunden Autofahrt geplant war, entpuppte sich als ein Tag voller Wunder und unglaublicher Zufälle.

Wunder 1: Das Leuchten des Lake Pukaki

Das Wetter im Gebirge sollte nachmittags umschlagen, zurück auf Anfang praktisch: dicke Regenwolken und grauer Nebelbänke kündigten sich an. Wir starteten erst einmal mit einem umfangreichen Rühreier-Marmenladen-Toasts-Kaffee-Frühstück und genossen die Sonne sowie die Sicht auf die 3K-Berge. Nachdem unser Camper mit frischem Trinkwasser versorgt war verließen wir das Valley wieder über den Highway entlang das Lake Pukaki. Diesen unglaublich See hatte wir bereits auf der Fahrt ins Tal unter den grauen Nebelschwaden erahnen können. Doch bei Sonnenschein entfaltete das Wasser seine volle Leuchtkraft: Türkisblau. Schöner als jeder Swimmingpool dieser Welt, eingerahmt in grüne Nadelwälder, gelbe sowie violette Blumenwiesen, grüne Schafwiesen und graue Klippen. Drüber ein hellblauer Himmel mit gleißendem Sonnenlicht. Dadurch, dass in den See kontinuierlich das Wasser verschiedener Gletscher fließt, behält er – im Gegensatz zu den Blue Lakes – seine tolle Farbe. Von Peter’s Lookout aus hatten wir einen fantastischen Blick auf den See und der dahinter liegenden Gebirgskette mit Mt Cook. Einmal in den Lake Pukaki rein watscheln ließ ich mir auch nicht nehmen.

Wunder 2: Star and Earth Reserve – wie auf einem anderen Planeten

Der wunderschöne Anblick vom “50 Shades of Blue”-Lake-Pukaki begleitete uns noch lange bis zum nächsten Zwischenstopp: der Lake Teeapo sollte mindestens genauso Blau leuchten, lag dafür aber in einer Landschaft, die auch auf dem Mars hätte sein können. Ein toller Kontrast! Hinzu kam, dass der See in einem Star & Earth Reserve lag (nur vier weltweit vorhanden), das für seinen dunklen Nachthimmel bekannt ist und sich für die Astronomieforschung besonders eignete. Wir steuerten das “Astro Café” auf dem Mt John an – hier kam man nur über eine steile, enge Serpentinenstraße hoch und spendete noch 5 NZ$ für die Nutzung. Oben angekommen folgte sogleich ein …

Unglaublicher Zufall 1: Ein Treffen mit Freunden

Wir überlegten, ob wir uns direkt einen Kaffee schmecken lassen oder noch eine Runde um die kleine Hügelspitze drehen wollten. Ein Blick auf die Wanderkarte traf für uns die Entscheidung – nein, wir bleiben oben und genießen die 360° Panorama Aussicht. An der Infotafel standen drei junge Reisende, die wohl ähnliche Pläne hatten. Während ich noch verträumt die Karte studierte, hörte ich neben mir Clemens ungläubig murmeln: Eh, eh… das kann doch nicht wahr sein!

Die drei Reisenden entpuppten sich als eine Studienfreundin aus Schweden, die er seit zwei Jahren nicht gesehen hatte. Beide hatten nur wenige Tage vorher über Facebook gewitzelt, dass sie sich ja in Neuseeland treffen könnten. Sie war in Begleitung ihres Bruders und Freundes, den Clemens nun auch endlich mal kennen lernte. Die drei hatten sich am Vormittag noch unterhalten, dass Clemens sicher tolle Fotos von Neuseeland schießt und es doch cool wäre, ihn mal während Rock im Park in Deutschland zu besuchen…

Und nun standen wir fünf dort oben, auf einem kleinen Berg in Neuseeland inmitten einer unglaublichen Kulisse und kamen aus dem Staunen über diesen Zufall nicht mehr raus. Die Welt ist ein Dorf… Nur 5 Minuten später und die drei wären den Wanderweg runter von Mt John gelaufen, wir hätten an unserem Kaffee genippt und niemand hätte vom anderen auch nur ansatzweise etwas geahnt. Mich kribbelt es heute noch wenn ich an das tolle, unverhoffte Treffen denke. Wahnsinn!

Nach einem bunten Gespräch über alles mögliche (vor allem Neuseeland und dem Zufall) zog es jeden wieder in seine Himmelsrichtung. Wir verabredeten uns für ein weiteres Treffen, vielleicht in Süd-Schweden, Deutschland oder irgendwo sonst auf der Welt. Ab heute war für uns fünf alles denkbar und möglich was Zufälle anging.

Wunder 3: Sonnenwinde und Alpha Centauri im Visier

Wir beide liefen beschwingt und benebelt von dem Zufallstreffer in Richtung Hügelspitze. Die Teleskop-Kuppeln glänzten in der Sonne. Während Clemens die marsähnliche Landschaft mit Lake Tekapo als farblichen Kontrast fotografierte, setzte ich mich an eines der dort bereit gestellten Teleskope und wagte einen Blick. Aha… ein großer, orangefarbener Kreis war zu sehen… umspannend, bestimmt war das Teleskop verstellt. Gleich mal ins nächste geschielt… ah, ich sah den Mt Cook in der flirrenden Luft (die aufziehenden Wolken ebenso…). In dem Moment kommt ein Staff-Mitglied der Astro-Station aus einem der Teleskop-Kuppeln und erklärt, dass man über die kleineren Teleskope die Sonne sehen könnte (ah, der orangene Kreis …) und das man gerade einige Sonnenwinde erkennen kann. AH! Ich gleich nochmal zurück und ja, das war krass: vom orangenen Kreis gingen am unteren und oberen Rand ganz feine, ausgefranste Linien und Wellen ab, die vor sich in flackerten. Boah! Zum Greifen nah und für mich wahnsinnig interessant. Ich durfte dann auch durch das Teleskop unter der Kuppel schauen… dort glitzerte Alpha Centauri vor sich hin. Hui! Ich war berauscht.

(Anmerkung: Also… ich wollte ja mal was mit Astronomie machen und kann mich bis heute für Sterne & Co. sehr begeistern. Der Berufswunsch löste sich aber in Luft auf an an dem Tag an dem ich in einer Sternwarte der leibhaftige “Big Bang Theory”-Crew begegnete.)

Leider hatten wir keine Zeit, über Nacht zu bleiben, um bei einer Tour den Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre zu bestaunen. Wir hatten noch 2,5 Stunden Fahrt vor uns. Diese versüßten wir uns erst einmal mit einem Latte aus türkis-blauen Tassen mit Blick auf den genauso türkis-blauen Lake Tekapo.

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