Wunder geschehen immer wieder (Part 2/2)

“Muh, Muh macht die Kuh.” Nach Norden hin wurden die großen Berge langsam zu Foothills und wir kamen näher an Christchurch. Der verrückte Neujahrstag sollte gemütlich auf einem kleinen Campingplatz in der Natur ausklingen, da wir am nächsten Morgen unglaublich früh aufstehen mussten. Doch es kam mal wieder anders als geplant.

Nach dem Besuch des Star & Earth Reserve ging es runter vom Mt John in den Ort Lake Tekapo, um das berühmteste Motiv des Ortes zu besichtigen. Eine Nachtaufnahme der kleinen Kapelle “The Church of the Good Shepard” prangerte in jedem Reiseführer und auf vielen Postkarten – wegen dem wahnsinnigen Sternenhimmel im Hintergrund. Die Kirche selbst war klein, schnuckelig und umzingelt von weiteren “Loney Planet”-Opfern wie wir. Der Nachthimmel ließ ja noch auf sich warten und bot sich somit nicht für uns als Hintergrund an, dafür aber klasse Wolkenformen.

Der District Canterbury war nun das letzte Ziel

Wir zuckelten weiter, die Strecke ging kerzengerade durch beige Ebenen – ich musste das Lenkrad ganz schön umklammern, da unser Kermit eine gute Angriffsfläche für den “Präriewind” abgab. Wer “Herr der Ringe”-Fan ist: hier wurden die Parts von “Gondor” und die große Schlacht im dritten Teil gedreht.

Nach und nach verlor die Gebirgskette an Höhe und die Südalpen wurden zu den sog. “Foothills” und auf den saftig grünen Ebenen, fein säuberlich unterbrochen von hohen Hecken, stand viel “Livestock” (Vieh). Wir hatten den District Canterbury erreicht, auch “Dairy Country” genannt. Neuseeland ist nämlich der größte Milchexporteur und hier stand u.a. die größte Milchfabrik der Welt. Über die unzähligen Milch-Transporter mit Doppelhängern staunten wir nicht schlecht als wir übers Land fuhren.

Wir machten kurz vor Sonnenuntergang unter einem alten, großen Baum Rast und kochten uns die letzten Vorräte an Nudeln mit Tomatensauce. Kurz darauf gesellte sich ein altes Ehepaar zu uns, die stolz mit ihrem schneeweißen Ford-Zephyr-Oldtimer angerauscht kamen und eine saubere Picknick-Decke auf der Heckfläche ausbreiteten, umgemeinsam Käse und frisches Brot  zu verspeisen.

Wunder 4: Ein gruseliger Sonnenuntergang

Bei der Weiterfahrt kündigte sich ein spitzen Sonnenuntergang an, die Sonne leuchtete am Horizont gold-orange durch die hohen Hecken. Irgendwann stellten wir fest, dass wir eine falsche Adresse im Navi eingegeben hatten und hielten mitten im Nirgendwo an. Links dumm dreinblickende Pferde, rechts Hecke, hinter uns der Sonnenuntergang und vor uns eine weitere lange Straße. Wir entschieden: erstmal muss der Sonnenuntergang bestaunt werden und düsten nach Westen für einen geeigneten Fotospot (der Fotograf brauchte einen geeigneten Vordergrund!). Es mussten ein paar Kühe herhalten, um ein Motiv für das Himmelsspektakel zu bieten. Wir hielten abrupt an, der Fotograf sprang aus dem Van und schraubte in Windeseile das Stativ hoch – das Shooting und Sunset genießen konnten praktisch los gehen…

Es stellte sich heraus, dass die Kühe (unser Motiv) so einen Showact wie ihn der Fotograf hingelegt hatte wohl noch nie im Leben gesehen hatten und für einige Unruhe sorgte. Dieses Ereignis wurde lauthals bemuuuuuht und den Genossen auf der eigenen und umliegenden Weiden mitgeteilt. Und dann stauten wiederum wir nicht schlecht was daraufhin geschah:

Die Kälber auf der linken Weide kamen in einem Affentempo und dabei wild über die Wiese hüpfend angetrabt… der Boden zitterte leicht und ich hatte nur den Gedanken “Hoffentlich halten die drei dünnen Drähte “Zaun” diese Meute auf…“.

Auf der Weide mit den “Motiv-Kühen” standen die großen Rindviecher, die sich uns nun auch mit schnellen Schritten näherten (auch hier wieder der Gedanke “Äh, drei dünne Drähte zwischen uns beiden Menschlein und der großen Kuhherde?!”

Und nun standen wir da in der Pampa: links, bunt-gescheckte Gesichter von neugierigen Kälbern… muhend. Rechts, eine aufgebrachte Rinderherde, die mit den Hufen auf dem Kies unter dem Drahtzaun zu Scharren begann. Die ein oder andere Kuh versprach sich zudem eine bessere Sicht, indem sie auf die Vordere drauf sprang… muhend. (Wir sind uns nicht sicher, ob die Bullen die Gunst der Stunde genutzt haben oder es wirklich nur für eine bessere Sicht nützlich war ;-) )

Dieses laute, durchdringende Muhen, die Energie der Tiere, die Spannung und Erwartung in ihren Augen – der Sonnenuntergang tauchte alles so in ein herrliches Licht, aber machte die Situation nicht weniger gruselig… Clemens versuchte, sich einzig und allein mit seiner Kamera auf den Sonnenuntergang zu konzentrieren (da der wohl ein sog. “Money Shot” für Fotografen war) und bewegte sich wie ein Hase auf der Straße hin und her. Immer verfolgt und beglotzt von weiten Kuhaugen. Ich machte unser “Fluchtauto” startklar, denn so ganz geheuer war mir das alles nicht, muss ich zugeben.

Wir suchten nach einem neuen Motiv und stellten dabei fest, dass uns die Tiere auf den angrenzenden Wiesen bereits erwarteten. Was die wohl alle meinte, was wir für sie dabei haben?

Auf der Suche nach einem Schlafplatz

Nun ja, irgendwann ist auch der schönste Sunset vorüber und es folgte dunkle Nacht. Beste Voraussetzungen, um einen unbekannten Campingplatz zu finden, auf dem wir auch noch Handyempfang hatten! (mehr dazu in der nächsten Fotostory).

Um 10:15 pm erreichten wir einen Platz auf dem es schon sehr ruhig war. Kein Mensch in Sicht, nur ein Schild: Please contact the Site Manager. Normalerweise gibt es eine Self-Registraton-Box (sog. “Honesty Box”), über die man sich nach Büroschluss anmelden kann. Aber die war leer und somit stiefelte ich mit Stirnleuchte bewaffnet zum “Office” des Managers (was sein Wohnwagen war). Er hatte seine Tür noch auf (puh!) und wir unterhielten uns – so gut es ging. Seinem Genuschel entnahm ich nach dem dritten Anlauf “no vacancy” (“kein Platz mehr frei”) was unseren Abend noch länger werden ließ… Also fuhren wir durch die Nacht, das Handy im Blick wegen dem Empfang, und fuhren und fuhren…

Wir kamen dann doch gegen 11:30 pm an einem kleinen Platz an. Dort hielten wir ohne lange zu Fackeln direkt hinter dem Eingang an (hier gab es noch Empfang) und fielen (aufgeregt) ins Bett, nur noch 4-5h Schlaf waren heute Nacht drin… Denn wenn um 3:30 Uhr unser Handy nicht klingelte, würde unser letztes Urlaubshighlight stattfinden: Heißluftballon fliegen über Neuseeland.

Das könnte auch interessant sein …

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.